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Dokument zum Jahresbericht 1999 des Berliner Beauftragten für Datenschutz und Akteneinsicht
Mitteilung - zur Kenntnisnahme - über Informations- und Kommunikationstechnologien im Unterricht- Drsn Nr. 13/1860, Nr. 13/2387 und Nr. 13/2807 - Schlußbericht - Die Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport legt nachstehende Mitteilung dem Abgeordnetenhaus zur Besprechung vor: Das Abgeordnetenhaus hat in seiner Sitzung am 5. Februar 1998 folgendes beschlossen: "Der Senat wird aufgefordert, bis zum 31. Mai 1998 einen Bericht über Stand und Perspektiven der Verankerung der Informations- und Kommunikationstechnologien (luK) im Unterricht der Berliner Schule vorzulegen. Der Bericht soll unter anderem folgende Themen berücksichtigen: 1. Stand der informationstechnischen Ausbildung und des Informatikunterrichts 2. Stand der Lehrplanentwicklung aller Fächer in Hinblick auf die neuen Technologien 3. luK-Bildung als Unterrichtsprinzip und im Fach-/Lehrgangsunterricht 4. Computer als Unterrichtsmedium und Unterrichtsinhalt 5. gesellschaftliche Bezüge (Chancen, Gefahren, Datenschutz) 6. vorhandene und erforderliche Ausstattung der Schulen mit Hard- und Software 7. Finanzierungsbedarf und zeitliche Perspektive der Umsetzung 8. Einbeziehung von Sponsoren 9. Stand und Weiterentwicklung der Lehreraus-, -fort- und -Weiterbildung an den Hochschulen und am BIL" Hierzu wird berichtet: Vorbemerkung - Der kompetente Umgang mit Computeranwendungen, mit CD-ROM und mit Internet gehört heute zu den Kulturtechniken. Es ist deshalb auch Aufgabe der Schule, den Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation zu vermitteln. Dabei geht es inzwischen um mehr als um Informationstechnische Grundbildung und um Informatik. Die neuen Techniken sollen nicht nur als Lerngegenstand im Vordergrund stehen, sondern als Mittel zum Lernen in der Schule. Computer und Internet können als Werkzeuge und Medien zur Beschaffung, Verarbeitung und Präsentation von Wissen eingesetzt werden. Gleichzeitig muß gelernt werden, über ihre Stärken und Schwächen, über ihre Chancen und Gefahren zu reflektieren. Die Möglichkeiten der weltweiten Informationsbeschaffung und Kommunikation fordern von dem Einzelnen neue Qualifikationen, wie das Formulieren effektiver Suchabfragen und die Einschätzung und Bewertung der vielfältigen Informationsquellen. Diese Kompetenz kann am besten im inhaltlichen Kontext der einzelnen Unterrichtsfächer als Unterrichtsprinzip vermittelt werden. Daraus resultieren folgende Herausforderungen: • Alle Rahmenpläne müssen im Hinblick auf den sinnvollen Einsatz der neuen Techniken überprüft und gegebenenfalls revidiert werden. • Lehrende in allen Fächern müssen in die Lage versetzt werden, die neuen Medien so einzusetzen wie z. B. Arbeitsblätter, Printmedien oder OH-Folien. • In jeder Unterrichtsstunde, in der dies inhaltlich und methodisch angemessen erscheint, soll zukünftig problemlos auf die neuen Techniken zugegriffen werden können. Entweder die Lehrkraft präsentiert Inhalte aus dem Internet oder alle Schüler lösen in Kleingruppen oder individuell bestimmte Aufgaben mit dem Computer. Dazu ist allerdings eine Technikausstattung erforderlich, die weit über den bisherigen Ausstattungsgrad hinausgeht. 1. Stand der informationstechnischen Ausbildung und des Informatikunterrichts An den Berliner Grundschulen befindet sich die informationstechnische Ausbildung noch im Stadium der Entwicklung. 1994 wurde der Rahmenplan "Informationstechnischer Grundkurs im Fach Arbeitslehre" an Schulen für Lernbehinderte (56 Schulen) eingeführt. Der Informationstechnische Grundkurs (ITG) ist seit mehreren Jahren an allen Berliner Schulen in den Klassen 7 bis 10 Teil des Pflichtangebots, an Haupt- und Gesamtschulen als Bestandteil des Faches Arbeitslehre, an Gymnasien und Realschulen als fachunabhängiger Kurs, der organisatorisch im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts durchgeführt wird. Das Fach Informatik ist Teil des Wahlpflichtangebots der Berliner Schule. Im Sekundarbereich I wird Informatik im Umfang von zwei Unterrichtsjahren in den Klassen 9 und 10 an Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien unterrichtet, Im Sekundarbereich II werden an fast allen gymnasialen Oberstufen Grundkurse im Fach Informatik angeboten, die in die Gesamtqualifikation des Abiturs eingehen können. Bei Belegung von mindestens 3 Jahren Informatikunterricht kann Informatik auch als 3. oder 4. Prüfungsfach im Abitur gewählt werden. In Berlin besitzen 367 Lehrkräfte, davon 91 Frauen, die Unterrichtserlaubnis für Informatik im Sekundarbereich II. Weitere 33 Lehrkräfte, davon 13 Frauen, sind zur Zeit in der Ausbildung. 57 Lehrkräfte, davon 31 Frauen, absolvierten den Jahreskurs zum Wahlpflichtunterricht (WPI) in der Sekundarstufe I. Zur Durchführung des Informationstechnischen Grundkurses (ITG) wurden bisher 274 Lehrkräfte, davon 115 Frauen, fortgebildet. Im Schuljahr 98/99 beginnen: 40 Lehrkräfte den ITG Kurs, davon 19 Frauen und 20 Lehrkräfte den WPI Kurs, davon 7 Frauen. 2. Stand der Lehrplanentwicklung aller Fächer in Hinblick auf die neuen Technologien Grundsätzlich muß davon ausgegangen werden, daß in den Rahmenplänen für Unterricht und Erziehung die neuen Techniken nur in geringem Umfang Berücksichtigung gefunden haben. Eine medienbezogene Lehrplanentwicklung wird erst nach und nach bei den jeweils fälligen Revisionen der bestehenden Rahmenpläne erfolgen. Generell kann allerdings festgestellt werden, daß in allen Fächern Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt werden, die die Entnahme von fachspezifischen Informationen aus den Medien und deren Aufbereitung zum Gegenstand hat. Insofern müssen die neuen Techniken stets berücksichtigt werden. In folgenden Fächern sind in den gültigen Rahmenplänen Hinweise auf die Behandlung und den Einsatz neuer Techniken enthalten: Arbeitslehre: Der neue Arbeitslehre-Rahmenplan, der Ende 1997 in Kraft gesetzt wurde, enthält verstärkt und durchgängig Bezüge zu den neuen Informations- und Kommunikationstechniken. Dabei sind folgende Bereiche des Computereinsatzes von besonderer Bedeutung: • Textverarbeitung (Serienbrief, Bewerbungsschreiben usw.) • Prozeßdatenverarbeitung (Maschinensteuerung, Computer als Meßgeräte) • Informationsbeschaffung (CD-ROM, Internet) So wird beispielsweise ein neues Sachfeld "Lernbüro" eingeführt, in dem in Simulationsmodellen unter anderem auch die zeitgemäße Bürotechnik eine besondere Rolle spielen soll. Im Rahmen des projektorientierten Unterrichts sollen im Werkstattunterricht kleinere, technisch und ästhetisch einwandfreie Projektgegenstände unter Berücksichtigung von Umweltgesichtspunkten produziert werden. Dazu werden technische Zeichnungen (CAD) sowie die Steuerung von Maschinen (CAM) in den Arbeitslehrewerkstätten mit Hilfe von Computern durchgeführt. Projektdokumentation und Abrechnung von Projektkosten werden ebenfalls am Computer vorgenommen. Internetrecherchen werden vor allem im Bereich der Berufsorientierung und der Ermittlung von Ausbildungsplatzsituationen eingesetzt. Für die Schulen für Lernbehinderte wurde 1994 ein (Teil-)Rahmenplan "Informationstechnischer Grundkurs im Fach Arbeitslehre" eingeführt. Auf dieser Grundlage haben einige Schulen beispielhafte Dienstleistungsbetriebe im 9. Jahrgang eingerichtet. So ist etwa eine Fahrradwerkstatt in der Comenius-Schule in Wilmersdorf, in der Reparaturen kalkuliert, durchgeführt, Rechnungen geschrieben und ein richtiges Bankkonto verwaltet wird, ein wertvolles Übungsfeld für lernbeeinträchtigte Schülerinnen und Schüler. Computer spielen in dieser Werkstatt eine wichtige Rolle als Hilfsmittel. Chemie: Lediglich in der Einleitung zum Rahmenplan Chemie Sek I ist ein Hinweis auf neue Technologien enthalten. In den übrigen Plänen findet sich weder eine Erwähnung noch ein Hinweis auf die Einsatzmöglichkeiten. Erdkunde: Die gültigen Rahmenpläne des Faches Erdkunde lassen ausreichend Spielraum für den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechniken. Abgesehen vom Rahmenplan der Klassen 5 und 6 wird der Computereinsatz explizit erwähnt. Auch ohne direkte Nennung im Primarbereich lassen sich die neuen Medien sinnvoll in den Unterricht einfügen, da neben dem Einsatz auch der Vergleich verschiedener Medien gefordert wird, um einen "lerneffizienten Erdkundeunterricht" zu ermöglichen. Im Vorläufigen Rahmenplan der Sek I werden im Anhang Hinweise für den Computereinsatz gegeben. Es wird darauf hingewiesen, daß der Computer im Fachunterricht als Medium, Werkzeug und Unterrichtsgegenstand genutzt werden kann. Zusätzlich werden die Nutzung eines internationalen Datenaustausches, bzw. Recherchen in geographisch relevanten Datenbanken angeregt. Im Bereich der Sek II kommt der Informations- und Kommunikationstechnik im Rahmenplan eine "besondere Bedeutung bei der Beschaffung und kritischen Auswertung" von Information zu. Mathematik: Im Vorläufigen Rahmenplan Gymnasium Sek I werden Hinweise zum Computereinsatz gegeben und es wird daraufhingewiesen, daß es für viele Bereiche der Schulmathematik Software gibt, "die nach grundsätzlicher Klärung des mathematischen Vorgehens bei der Lösung von Problemen ähnlichen Typs mit Verständnis eingesetzt werden kann." (S. 3) Bei einigen Lernabschnitten gibt der Rahmenplan bewußt Hinweise zu den Möglichkeiten eines Computereinsatzes und stellt Bezüge zu den Inhalten der Informationstechnischen Bildung her. Im Vorläufigen Rahmenplan für die gymnasiale Oberstufe werden explizite Hinweise zur Benutzung von Computern gegeben (S.6). Physik: Der Vorläufige Rahmenplan Physik Sek I empfiehlt, "Möglichkeiten des Computereinsatzes jeweils zu prüfen und zu nutzen. Insbesondere bei Messungen, die eine anspruchsvolle numerische Auswertung erfordern, sollte der Computer als Meßgerät bzw. zur Datenauswertung eingesetzt werden. Computersimulationen sollten möglichst in Verbindung mit dem Realexperiment erfolgen". (S. 8) Musik: Im Fach Musik Sek I wird an vielen Stellen auf den Einbezug von neuen Techniken verwiesen. Beim Thema "Entstehung und Entwicklung der Rockmusik" wird zum Lerninhalt Techno auf Synthesizer, Computer, Midi usw. Bezug genommen. Das Unterrichtsthema "Musiker heute: Musikberufe, neue Medien" thematisiert die Bedeutung der neuen Medien zur Herstellung von Musik und bezieht explizit die Chancen und Risiken der neuen Informationstechnologien mit ein. Deutsch: Für den Unterricht im Fundamentalbereich der 11. Klasse wird unter Arbeitsmethoden und Arbeitstechniken auf die Arbeit mit dem Computer (Textverarbeitung) hingewiesen. Gegenwärtige Rahmenplankommissionen: Zur Zeit gibt es verschiedene Rahmenplankommissionen, die bei der Überarbeitung der jeweiligen Lehrpläne die Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnik für das jeweilige Fach reflektieren und entsprechende Bezüge aufzeigen: 1. Grundschule/Sonderschule: Allgemeine Weltkunde (Schule für Lernbehinderte) Deutsch (Schule für Gehörlose) Staatliche Europaschulen Berlin (SESB) (div.) 2. Sekundarbereich I: Arbeitslehre Bildende Kunst Darstellendes Spiel (Gesamtschule) Französisch in Verbindung mit Brandenburg Griechisch Informatik Japanisch 2. Fremdsprache Sozialkunde Türkisch 2. Fremdsprache Wahlpflichtfach Physik am Gymnasium 3. gymnasiale Oberstufe; Klassischer Tanz Musik Philosophie 3. luK-Bildung als Unterrichtsprinzip und im Fach/Lehrgangsunterricht Computer als Unterrichtsmedium und Unterrichtsinhalt, gesellschaftliche Bezüge In den vergangenen Jahren wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, um Schülerinnen und Schüler in die Informations- und Kommunikationstechnik einzuführen. Wegen der raschen technischen Entwicklung müssen diese Anstrengungen kontinuierlich in allen Schulen bzw. Bildungsbereichen fortgesetzt, ihre Wirksamkeit und Aktualität periodisch evaluiert und auch unter medienpädagogischen Gesichtspunkten bewertet werden. In der Auseinandersetzung um Möglichkeiten und Probleme der neuen Informationsmedien als Gegenstand von Lehren und Lernen ist es wichtig, daß neben einem immer leichter zugänglichen, gespeicherten "Verfügungswissen" das "Orientierungswissen", also die Fähigkeit, sich in der steigenden Flut von Informationen orientieren zu können, an Bedeutung gewinnt. Hierzu gehören auch die Reflexion über die Chancen und die Gefahren der neuen Techniken und die vielfältigen Implikationen des Datenschutzes. Ebenso müssen Fähigkeiten und Fertigkeiten des praktischen Umgangs mit den neuen Techniken erworben und angewandt werden. Hierzu gehören auch Handhabungskenntnisse und -fertigkeiten und teilweise auch Systemkenntnisse der komplexen Technologien. Teilweise wird der Eindruck vermittelt, als ließen sich organisierte Bildungsprozesse auf die Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten reduzieren, so daß Schulen und Lehrende durch Computer und Telekommunikation ersetzt werden könnten. Dies greift erheblich zu kurz, ebenso die Vorstellung, daß Rationalität und Kognition den Hauptanteil an Bildung ausmachten. Der Erwerb und die Festigung sozialer Fähigkeiten, die Entwicklung des angemessenen Umgangs mit eigenen und fremden Emotionen, die Vermittlung von Werten, der Aufbau von kommunikativen Fähigkeiten und schließlich auch die Weiterentwicklung psychomotorischer Fertigkeiten bleiben weiterhin zentrale Aufgaben und werden an Bedeutung gewinnen. Kritikfähigkeit und Toleranz, Einfühlungsvermögen und Verantwortlichkeit, Solidarität und Emanzipation gewinnen in Schule und Weiterbildung neue Aktualität, da durch die Nutzung der neuen Technologien stärker die Individualität, teilweise sogar der Individualismus besonders angesprochen wird. Durch die Erweiterung des Bildungsprozesses um diese Zielvorstellungen werden verstärkt auch die kommunikativen und sozialen Kompetenzen und Interessen der Mädchen in der informatischen Bildung angesprochen. Dadurch kann die immer wieder festzustellende Distanz von Schülerinnen gegenüber einem Unterricht, der bisher häufig noch an den klassischen Ingenieurwissenschaften und der Mathematik orientiert ist (Programmierunterricht/Nutzung des Computers), Schritt für Schritt abgebaut und ihnen ein gleichberechtigter Zugang zu dem Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien eröffnet werden. Im März 1998 hat die Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport im Zusammenhang mit dem Projekt "CidS!" das "Pädagogische Rahmenkonzept für den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik in der Berliner Schule" an die Schulen gegeben. Hierin sind die didaktischen Grundlagen der luK-Bildung beschrieben und bilden damit die Basis für die luK-Bildung in allen Schularten der Berliner Schule: Die Vielfalt der Medientechnologien erfordert eine intensivere Auseinandersetzung mit den Strukturen, Abhängigkeiten, Inhalten und Zielen der Medien in allen Bereichen des Bildungswesens. Zukünftiges Leben in einer von Medien dominierten Welt ist verantwortlich, selbstbestimmt und selbstbewußt nur mit differenzierten Kenntnissen der grundlegenden Sachverhalte möglich. Eine gezielte Aufnahme der Themenstellungen in den Bildungskanon ist deshalb unerläßlich. Dabei gelten die Ziele der Medienpädagogik, wie sie in der Erklärung der Kultusministerkonferenz vom 12. Mai 1995 dargestellt wurden, auch für Multimedia und die Telekommunikation. Große Chancen bieten die Neuen Medien in ihrer Funktion als Hilfsmittel für die Gestaltung und Durchführung von Lehr- und Lernprozessen. Die Integration verschiedener bisher getrennter Technologien und die Ausweitung auf neue Bereiche fordern zu intensiverer und neuer Auseinandersetzung mit mediengestütztem Unterricht heraus. Dabei können pädagogisch bedeutsame Arbeitsformen wie Selbstbestimmung des Lernens und Projektorientierung sowie facherübergreifende Arbeits- und Lernformen gezielt angegangen und erfahren werden. Wechsel von Selbstlern- und Soziallernphasen können die Lernmotivation steigern und die Bereitschaft zum selbständigen und lebenslangen Weiterlernen stützen. Für alle Schulformen bieten sich neue Ansatzpunkte für eine pädagogisch sinnvolle Förderung und Binnendifferenzierung. Neue Arbeitsformen können auch dazu beitragen, einen bisher nicht durchgängig erreichten, den Jungen gleichberechtigten Zugang der Mädchen zur luK-Bildung zu fördern. Neue didaktische und methodische Kreativität ist erforderlich, den Einsatz des Computers im Unterricht der unterschiedlichen Schularten zu verankern. Das setzt allerdings zumindest in der Anfangsphase zusätzliche Arbeit und Fortbildungsbereitschaft auf Seiten der Lehrenden voraus. Erst damit sind die sich bietenden Chancen umsetzbar. Dabei muß das pädagogisch Sinnvolle und nicht das technisch Machbare beim schrittweisen Ausbau der Ausstattungen vorrangig sein. 4. Einsatzmöglichkeiten des Computers im Fachunterricht Die folgenden Prinzipien sind ebenfalls Bestandteil des o. a. Rahmenkonzepts und damit Grundlage didaktischer und methodischer Entscheidungen zur Durchführung des Unterrichts. In der fachbezogenen Grundausbildung soll die instrumentelle und mediale Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnik spezifische Beiträge zur Vermittlung von Medienkompetenz, Lern- und Arbeitskompetenz und zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen leisten. In Verbindung hierzu bietet die Anwendung der neuen Technologien und Medien in methodischer und didaktischer Hinsicht neue Möglichkeiten des differenzierten, kreativen, eigenverantwortlichen und selbständigen Lernens. Werkzeuge zum Schreiben, Gestalten, Konstruieren, Rechnen, Erfassen, Speichern und Recherchieren unterstützen die schnelle und zügige Bearbeitung, Ergänzung, Produktion und Gestaltung von Texten, Bildern und Grafiken sowie die Veranschaulichung von Pakten, Tabellen und Funktionen. Ihr Einsatz im Unterricht erweitert den Erfahrungsbereich der Schülerinnen und Schüler im Umgang mit bedeutsamen Anwendungen der neuen Technologien und eröffnet Möglichkeiten, diese zur zielgerichteten Lösung eigener Aufgabenbereiche zu nutzen. Simulationsprogramme und Experimentierumgebungen erweitern die didaktischen Möglichkeiten im Unterricht. Durch sie können Modelle der Wirklichkeit mit begrenzten Parametern fest abgebildet bzw. naturwissenschaftliche Versuche, gezielte Beobachtungen, bestimmte Handlungsabläufe oder auch Bedienungen von Maschinen vom Schüler selbständig in Partner- oder Einzelarbeit simuliert werden. Der Umgang mit Werkzeugen zur Simulation und Modellbildung ermöglicht den Schülerinnen und Schülern, Modelle zu unterschiedlichen Gegenstandsbereichen zu erstellen. Didaktisch richtig eingesetzt, sind sie geeignet, Einsichten in Zusammenhänge und Wechselwirkungen zu vermitteln, die anders nicht oder nur schwer zu vermitteln wären. Vor allem im naturwissenschaftlichen Unterricht spielt die Prozeßdatenverarbeitung eine wichtige Rolle, indem Meßwerte in Experimenten erfaßt, aufbereitet, visualisiert und diskutiert werden. Die in themenbezogenen Datenbeständen enthaltenen Daten und Informationen können ergänzend zu anderen Medien eingesetzt werden, um mehr und aktuellere Informationen in den Lernprozeß einzubeziehen. Die Daten unterscheiden sich in der Art der gespeicherten Inhalte (z. B. Umweltdaten, Gefahrstoffe, Nachrichten, Quellentexte) und deren Typ (z. B. Verweise, Volltexte, Bilder, Grafiken, Bild- und Tonfolgen), das Arbeiten mit Werkzeugen, die es ermöglichen, auf die jeweiligen Datenbestände zuzugreifen, in ihnen zu suchen oder sie weiter zu verwenden, vermittelt neue Arbeitsmethoden und Gestaltungsräume (Recherche, Auswahl und Darstellung und andere Gestaltungsmöglichkeiten). Neue Formen des entdeckenden und konstruierenden Lernens werden durch Hypermedia-Arbeitsumgebungen ermöglicht. Diese integrieren einen multimedialen, vernetzten, themenbezogenen Datenbestand mit verschiedenen Werkzeugen. Der Datenbestand enthält Dokumente vom Typ Text, Grafik, Bild, Ton, Bildfolge und Tonfolge. Die Dokumente sind untereinander, z. B. nach Sinn- und Sachzusammenhang in dem sogenannten Hypertext verknüpft (vernetzt). Multimedia-Dokumente befinden sich in diesem Hypertext. Die Werkzeuge unterstützen das Suchen und Finden, Lesen, Schreiben, Rechnen und Kalkulieren, Zeichnen und Gestalten sowie Modellieren und Simulieren und machen aus der Hypermedia-Datenbank eine Hypermedia Arbeitsumgebung. Im Sinne des Erwerbs von Schlüsselqualifikationen soll der Unterricht alters- und schulartangemessen und unter Einbezug geschlechtsdifferenzierender Ansätze die Schülerinnen und Schüler • zur selbständigen Informationsbeschaffung und -bewertung, • zur Organisation von Arbeitsprozessen, • zur methodenkritischen Reflexion und Selbstreflexion, • zur Kooperation und zum Dialog, • zum Durchhaltevermögen und Engagement und unter medienpädagogischen Gesichtspunkten • zum sachgerechten Umgang mit elektronischen Medien und den Produkten der Informations- und Kommunikationstechnologien, • zur Nutzung der Medien Zum Lernen und Gestalten und • zur Urteilsfähigkeit gegenüber den Botschaften der Medien befähigen. Die Anwendungen der Informations- und Kommunikationstechnologien sollen Anlässe • des Lernens und Übens in Sinn- und Sachzusammenhängen, • des kreativen Gestaltens, z. B. durch den Einsatz neuer informationsverarbeitender Werkzeuge, • des vernetzten und antizipierenden Denkens, z. B. durch Veranschaulichung systematischer Wechselwirkungen, durch Abbilden komplexer Systeme auf dem Computer, durch Simulation dynamischer Prozesse, • des globalen Denkens, z. B. durch Zugriff auf weltweite und mächtige Datenbanken auch unter Nutzung der Telekommunikation schaffen. Insgesamt kann festgestellt werden, daß die beschriebenen Prinzipien zunehmend im Unterricht Anwendung finden. Dies ist eine Folge der kontinuierlichen Lehrerfortbildung, die von der Landesbildstelle und dem BIL angeboten wird. Einschränkungen der Umsetzung ergeben sich nach wie vor durch die unzureichende Hard- und Softwareausstattung der Schulen sowie durch alterspezifische Widerstände der Lehrkräfte gegen den Einbezug von luK-Techniken in den Unterricht. 5. Vorhandene und erforderliche Ausstattung der Schulen 5.1 Vorhandene Ausstattung Auf Grund der zunehmenden Anfragen im Zusammenhang mit dem Einsatz von Computern in den Schulen hat das Referat Datenverarbeitung und Statistik des Landesschulamtes eine diesbezügliche Erhebung für die allgemeinbildenden Schulen erstmals im letzten Schuljahr durchgeführt. In Kombination mit der jährlichen IST-Statistik lag auch der Rücklauf der diesjährigen Erhebung bei 100 %, so daß die Daten für das Schuljahr 1997/98 jetzt aktuell vorliegen. Die Daten der berufsbildenden Schulen sind das Ergebnis der im Sommer 1997 durchgeführten DV-Inventarisierung. Auswertung Schuljahr 1997/98 Besonderes Interesse galt diesmal dem Vorjahres-Vergleich. Es hat sich gezeigt, daß die Zahl der Computer nur unwesentlich (5,1 %) gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Zu Beginn des Schuljahres 1997/98 verfügen in Berlin 39,4 % der 1025 öffentlichen schulischen Einrichtungen über Computer für den Unterricht. Dabei verzerrt die geringe Ausstattung der Grundschulen das Gesamtbild:
In 404 von 1025 allgemein- und berufsbildenden Schulen stehen insgesamt 7896 Computer für den Unterricht zur Verfügung. In den 364 allgemeinbildenden Einrichtungen stehen insgesamt 5214 Rechner. Die berufsbildenden Einrichtungen haben einen Bestand von 2682 Computern.
Dieser auf den ersten Blick beachtlichen Zahl von Computern steht allerdings die Zahl von rund 400 000 Schülern an den allgemeinbildenden und von rund 85 000 Schülern an den berufsbildenden Schulen des Landes gegenüber. Im Hinblick auf die Gesamtsituation ist dieser Vergleich von besonderer Bedeutung, auch wenn im Einzelfall die Ausstattungssituation von Schule zu Schule noch einmal erheblich variiert.
Die in das Verhältnis zur Schülerzahl gesetzten Zahlen stellen sich dementsprechend weniger beeindruckend dar. So sind die Durchschnittswerte bezogen auf die Schulform gegenüber dem Vorjahr unverändert. Es entfallen auf jeweils 100 Schüler im Durchschnitt nur 1,2 Computer (Allgemeinbildende) bzw. 3,0 Computer (Berufsbildende). Auch im Hinblick auf die Ausstattung der eingesetzten Geräte ist die Situation in den Schulen weiter verbesserungsbedürftig. So sind bis heute immer noch 1354 Geräte mit einem Prozessor 286er im Einsatz. Dieser Punkt ist von besonderer Problematik, da z. B. in den Grundschulen die Systemanforderungen für Unterrichtssoftware auf Grund der starken Multimedia-Ausrichtung sehr hoch sind. PCs unterhalb der 486er-Klasse sind deshalb für die meisten aktuellen Schulprogramme gar nicht, PCs unterhalb der Pentium-Klasse nur eingeschränkt brauchbar. Mit noch 1131 Geräten (Allgemeinbildende) bzw. 223 Geräten (Berufsbildende), die als 286er im Unterricht eingesetzt werden, konnte zwar insgesamt gegenüber dem Vorjahr eine qualitative Verbesserung erzielt werden. Weiterhin weisen aber zu viele Geräte eine Ausstattung auf, die den Einsatz von zeitgemäßer Unterrichtssoftware nicht mehr gewährleistet. Dies gilt für gut 20 % der Geräte in den allgemeinbildenden Einrichtungen und knapp 10 % der Geräte in den berufsbildenden Einrichtungen. Interessant ist der Vergleich der Schularten der allgemeinbildenden Schulen in Berlin. Dabei bestätigt die quantitative Verteilung der 5214 Computer als Wert an sich zunächst die gewohnten Vorurteile. Die größte Anzahl an Computern befindet sich danach an den Gymnasien (1548), die kleinste Anzahl an den Sonderschulen (332) und an den Grundschulen (344). Insgesamt hat sich bei allen allgemeinbildenden Einrichtungen über die verschiedenen Schularten ein Trend zu besseren Prozessorklassen gezeigt. So ist beispielsweise die Anzahl der Pentium-Rechner hier insgesamt von 170 auf 730 gestiegen. In der Differenzierung ist das Bild über die verschiedenen Schularten der allgemeinbildenden Einrichtungen stark uneinheitlich. So weisen die Berliner Grundschulen ganze 27 Pentium-Computer auf, obwohl sich gerade hier im Verhältnis zum Vorjahr viel getan hat. Die Steigerung von 149 Geräten im letzten Schuljahr zu 344 Geräten in diesem Jahr ist in ihrer quantitativen Bedeutung allerdings zu relativieren. Dagegen stehen in den Gymnasien bei einem Anteil von 29,7 % aller Schulcomputer (1548 Geräte) immerhin 41,8 % aller Pentium-Computer. Der Anteil alter 286er an allen Computern dieser Schulart ist gleichzeitig mit 12,6 % der geringste der Oberschulen.
Schon deutlich bedenklicher stellt sich die Lage an den Gesamtschulen dar. Zwar ist auch hier eine qualitative Verbesserung eingetreten, trotzdem ist die Ausstattung der Gesamtschulen bei 1447 Computern insgesamt (darunter 310286er- und 173 Pentium-Rechner) nicht zufriedenstellend. Noch schlechter sieht die qualitative Situationsbeschreibung bei den Haupt- und Realschulen aus. Beide Schularten sind "Spitzenreiter" unter den Oberschulen in Bezug auf die Ausstattung mit 286er- und 386er-Rechnern.
Immerhin sind 2379 der Computer (oder 45,6 %) in den öffentlichen allgemeinbildenden Schulen Berlins in irgendeiner Form in eine Vernetzung eingebunden. Insgesamt etwa 200 allgemeinbildende und berufsbildende Schulen sind über Eigeninitiative oder über "Schulen ans Netz" mit einem Online-Anschluß ausgestattet. Darüber hinaus sind 45 dieser Einrichtungen im Internet mit einer Schul-Homepage vertreten. 5.2 Erforderliche Ausstattung Die Erfahrungen aus überregionalen Modellversuchen der BLK sowie aus Erprobungen in Berliner Schulen lassen deutlich werden, daß in allen Jahrgängen und Lernbereichen Computer sinnvoll eingesetzt werden können. Dabei werden innovative Unterrichtsformen wie facherübergreifender und projektorientierter Unterricht vor allem durch die unterrichtsorganisatorische Einbeziehung von Computern in den Klassen- bzw. Fachraum unterstützt. Zentrale und monofunktionale Computerräume sind für solche Unterrichtskonzepte, die den Schülerinnen und Schülern vielfältige methodische und mediale Lernangebote bieten, wenig geeignet. Außerdem bedarf die Nutzung eines zentralen Schulcomputerraumes einer längerfristigen Raumplanung, die situationsbezogene Nutzung von Computern in Sinnzusammenhängen unmöglich erscheinen läßt. Der Computereinsatz im regulären Unterricht kann in unterschiedlichen Organisationsformen erfolgen: — Medienecke in Klassen- und Fachräumen (stationäre und mobile Computer zzgl. Software) Stichworte: Projektorientierter Unterricht, Wochenplanarbeit, Binnendifferenzierung. Freiarbeit. — Demonstrationsarbeitsplatz in Fach- und auch in Klassenräumen (Notebooks und fahrbare Computer zur Meßwerterfassung und -visualisierung, Animationen, Prozeßsimulation, Präsentation von Schülerarbeiten und Gruppendiskussion). — Dezentrale Gruppenräume mit Computerarbeitsplätzen: Flexibilisierung der Unterrichtsorganisation in kleinen Organisationseinheiten/Jahrgängen, differenzierende Angebote. — Pools mit Notebooks für die Gruppenarbeit: temporäre und flexible Integration in reguläre Unterrichtsgestaltung. — Lernarrangements mit einem komplexen Unterrichtskonzept: z. B. Schreibwerkstatt, Medienwerkstatt, Schülerfirmen, Lernbüros, Umweltwerkstatt etc. — Fächerunabhängiger zentraler Computerarbeitsraum Für einige Fächer sind Zusatzausstattungen notwendig oder sinnvoll. Beispiele: Musik: Keyboards, Soundkarten. Kunst/BK sowie für Projektdokumentation: Scanner, DigitalKamera. Farbdrucker, Videodigitalisierkarte, CD-Brenner. Biologie/Chemie/Physik: Messwerterfassungssysteme incl. Interfaces, Sensoren zur Demonstration und für Schülerexperimente (Umweltsensorik etc.) Arbeitslehre: CNC-Werkzeugmaschinen, computergesteuerte Nähmaschine, Interface und Baukästen für "Messen/Steuern/Regeln" 6. Finanzierungsbedarf und zeitliche Perspektive Das Einsatzspektrum von Computern in der Schule reicht von Übungs- und Trainingsprogrammen über Simulationsprogramme und Nutzung als Informationsquelle bis zur Kommunikation mit anderen Institutionen und Schulen. Daher ist die optimale Technikausstattung einer Schule nicht generell festzulegen. Der Technikeinsatz muß an den jeweiligen Zielen und Aufgaben ausgerichtet und dabei so flexibel geplant werden, daß verschiedene Aufgaben und Veränderungen in der Technik ohne zusätzlichen Aufwand mitvollzogen werden können. Daraus ergeben sich verschiedene Ausstattungsmodelle: der klassische Computerraum (10 + 1 Rechner) mit lokalem Netz und Internetzugang,
• der Computerrraum plus ständiger Zugriff auf einen vernetzten PC im Klassenraum, • 2-4 Schüler teilen sich einen vernetzten PC im Klassenraum • jeder Schüler verfügt über einen vernetzten PC im Klassenraum • Laptop für alle Schüler als portables Arbeitsmittel.
6.1 Allgemeinbildende Oberschulen Eine komplette Neuausstattung der allgemeinbildenden Oberschulen mit multimediafähigen vernetzten Rechnern, einschließlich der dazu notwendigen Infrastruktur, bezogen auf das erste Modell, ergibt einen Finanzierungsbedarf von ca. 20 Mio. DM. (321 Schulen X 60 000 DM) Das bedeutet, daß an Schulen, die bereits Computerräume besitzen, die Qualität der Computer verbessert und zusätzlich für verschiedene Fachbereiche kleine (2-3 Computer) umfassende Pools gebildet werden könnten, die flexibel einsetzbar und auch vernetzbar sind. Berufsbildende Schulen sind in Entsprechung zur Bedeutung der luK-Techniken in den jeweiligen Berufsfeldern besser ausgestattet als die allgemeinbildenden Schulen. Eine genaue Analyse muß allerdings noch erstellt werden. 6.2 Grundschule 15 multimediafähige und vernetzbare sowie mobile Computer ermöglichen einer durchschnittlichen 2,5-zügigen Grundschule die Ausstattung jedes Klassenraumes mit einem Gerät. Im Bedarfsfall können mehrere Computer auch lokal zusammengebracht und über ein drahtloses Netz miteinander verbunden werden. Hinzu kommen ein Arbeitsplatzrechner für die Lehrkraft sowie Peripheriegeräte. Dieses Modell ergibt einen Finanzierungsbedarf von ca. 25 Mio. DM. (474 Schulen x 50 000 DM) 6.3 Gesamtkosten Für beide Bereiche entstehen laufende Kosten für u. a. Wartung, Betrieb, Neuanschaffungen, Nutzungsgebühr für Online-Dienste sowie Qualifizierungsmaßnahmen, die nach Erfahrungssätzen mindestens ein Drittel der Beschaffungskosten betragen. Auf eine Laufzeit von 5 Jahren gerechnet muß pro Beschaffungsjahr mit ca. 3 Mio. DM gerechnet werden. Das ergibt einen Gesamtbetrag von 60 Mio. DM für die nächsten 5 Jahre. Gemessen an dem bisherigen Innovationszyklus der Computerentwicklung kann davon ausgegangen werden, daß nach 5 Jahren die vorhandenen Systeme nicht mehr dem in Wirtschaft und Industrie vorhandenen Standard entsprechen. 6.4 Das Projekt "CidS!", Einbeziehung von Sponsoren Im Projekt "CidS! - Computer in die Schulen!" sollen bis Ende 2000 insgesamt 30 Mio. DM aus Lottomitteln zur Verfügung gestellt werden, um den daran beteiligten Schulen die Möglichkeit zu geben, projektorientiert und unter Erbringen von Eigenleistungen das Medium Computer in ihre pädagogische Arbeit einzubeziehen. Die Eigenleistungen können durch bereits existierende Fördervereine, durch Sponsoren oder Patenschaften aus der Umgebung der Schule erbracht werden. CidS! ist zwar kein reines Ausstattungsprogramm, es wird jedoch zu einer Standardverbesserung der vorhandenen Ausstattung führen, in ausgewählten Projekten die technische Basis schaffen sowie allen Berliner Schulen in Kooperation mit "Schulen ans Netz" einen Online-Zugang ermöglichen. Inhaltliche Unterstützung sowie die notwendige Koordination werden durch das BIL und die Landesbildstelle im Rahmen ihrer Aufgaben bereitgestellt. Das umfaßt sowohl Angebote zur Lehrerfortbildung als auch auf die jeweiligen Projektziele abgestimmte Beratung zur Soft- und Hardwareausstattung. Alle geförderten Projekte sind Praxisbeispiele für den Einsatz des Computers im Unterricht, die auch anderen Schulen verfügbar gemacht werden sollen. Deshalb gehören ein Praxisbericht und die Bereitschaft zur Präsentation von Ergebnissen zum Bestandteil jeder Förderung. Technische Unterstützung und Mitfinanzierung eines Berliner Schulnetzes erfolgen durch die Telekom, beim Austausch von alten Rechnern gegen Rechner mit zeitgemäßen Prozessoren gibt es eine Kooperation mit o.t.e.l.o.. Weitere Sponsoren sind in das Projekt eingebunden. Im Rahmen der Ausstattung durch "CidS!" sollten immer auch die erforderliche Software und andere Materialien zur Beschaffung vorgesehen werden. Da themenspezifische interaktive Medien in der Regel nur für einen beschränkten Zeitraum benötigt werden, bedarf es einer reflektierten und im Kollegium abgestimmten Softwareauswahl. Deshalb erscheint die Einrichtung einer Schulmediothek mit geeigneten Unterrichtsprogrammen und Medienverbundsystemen (Experimentiergeräte, ergänzende Materialien) erstrebenswert. Dabei sollte auch die Möglichkeit der Medienausleihe durch Schülerinnen und Schüler vorgesehen werden. Dadurch können etwa die Vorbereitung von kleinen Referaten und anderen Hausaufgaben bereichert sowie eine aktive Freizeitgestaltung unterstützt werden. Für die eigenaktive Schülerarbeit haben sich vor allem Textverarbeitungsprogramme, Mal- und Zeichenprogramme, Lexika, Simulations- und Modellbildungsprogramme sowie solche speziellen Unterrichtsprogramme bewährt, die das Produzieren, Experimentieren, Explorieren und Dokumentieren in Sinn- und Sachzusammenhängen unterstützen. In der Landesbildstelle kann auch die auf CD verfügbare Software-Datenbank "SODIS" eingesehen bzw. ausgeliehen werden. "SODIS" bietet eine kriterienorientierte Marktübersicht über mehr als 5000 Software-Beispiele, davon mehr als 2500 umfassend bewertet, zum Teil mit dem Gütesiegel "Beispielhaftes Neues Medium für den Unterricht". Gerade für den häuslichen Bereich werden zunehmend programmierte Unterweisungen angeboten. Dabei soll mit einfachen Spielideen sowie grafisch aufwendiger Gestaltung zum Üben angeregt werden. Diese Programme sind in der Regel nicht für den Unterricht entwickelt worden und weisen keine Beziehungen zu gültigen Berliner Rahmenplänen auf. Bei solchen Programmen steht häufig das isolierte Trainieren von stark operationalisierten Zielen im Vordergrund. Sie entsprechen deshalb eher tradierten didaktischen Auffassungen, die auf behaviouristischen Lerntheorien beruhen. Diese Programme können - genauso wie konventionelle Übungsmedien - in eng abzugrenzenden Lernphasen (z. B. beim Automatisieren bereits angeeigneter Strategien) durchaus nützlich sein. Didaktisch und lernpsychologisch bieten sie jedoch nichts Neues gegenüber technisch anspruchsloseren Medien. Stand und Perspektiven der Lehreraus-, -fort- und -Weiterbildung Integration der neuen Medien in die Schule bedeutet in einem grundsätzlichen Sinne Schulentwicklung und wird an vielen Stellen auch Element der Schulprogrammentwicklung werden. Wenn CidS! für die Berliner Schulen erfolgreich realisiert werden soll, muß eine qualifizierte Lehrerfortbildung durchgeführt werden. Es ist darauf zu achten, daß die Qualifizierung der Lehrkräfte im Zusammenhang mit der Ausstattung mit Computern erfolgt. Ziel und Inhalte dieser Lehrerfortbildung sind • unterrichtliche und außerunterrichtliche multimediale Nutzungsmöglichkeiten von Computern (Hard- und Software), • neue Lernformen, insbesondere projektorientiertes, eigenaktives, facherübergreifendes, selbstorganisiertes Lernen, • Erprobung multimedialer Unterrichtsprojekte • Anregungen und Hilfe zur Erstellung von Unterrichtsmaterialien Darüber hinaus ist mit dem Einsatz des Computers im Unterricht eine veränderte Rolle der Lehrerin bzw. des Lehrers verbunden, die integraler Bestandteil von Fortbildungsangeboten sein muß. Die Fortbildung ist stufenweise zu organisieren: • praxisorientierte Basisqualifikation zum Umgang, zur Wartung und Pflege von Hard- und Software unter schulspezifischen Anforderungsbedingungen • pädagogische, fachliche, fachdidaktische und methodische Qualifizierung zur Nutzung neuer Kommunikations- und Informationstechniken im Unterricht, im facherübergreifenden Unterricht, im Projektunterricht sowie im außerunterrichtlichen Bereich • Multiplikatorenfortbildung mit dem Ziel schulinterner und regionaler Fortbildungsorganisation. Weiterhin wird gegenwärtig geprüft, inwieweit geschlechtsspezifische Qualifizierungsangebote von erfahrenen Bildungsträgern in die Fortbildungsprogramme integriert werden können. Der zu erwartende Fortbildungsbedarf in der 2. und 3. Phase der Lehrerbildung ergibt sich aus der mehrheitlich nicht ausreichend vorhandenen technischen und didaktischen Kompetenz der Zielgruppe in Fragen des Computereinsatzes in der Schule und der bisher nicht erfolgten inhaltlichen Verankerung im Rahmen der ersten und zweiten Phase der Lehrerausbildung. Nur durch eine koordinierte Bündelung der verschiedenen staatlichen und privaten (public privat partnership) Aktivitäten und Initiativen ist ein Vorhaben in der zu erwartenden Größenordnung von Lehrerfortbildungsveranstaltungen im Zusammenhang des Projektes CidS! erfolgreich umzusetzen. Eine Qualitätssicherung ist durch definierte didaktische Prinzipien kriterienorientiert abzusichern. Für die Fortbildung sollen verstärkt und frühzeitig Lehrerinnen angesprochen werden. Fortbildungsbedarf wird auch nach Ablauf des Projektes CidS! bestehen und von der dann zuständigen Institution abgedeckt werden müssen. 7.1 Fortbildungsnetzwerk für die Grundschule Ziele und Inhalte In Berlin gibt es knapp 500 Grundschulen mit ca. 12 000 Grundschullehrkräften. Diese Größenordnung allein macht es notwendig, eine Fortbildungsstruktur zu entwickeln, die in einem besonderen Maße Aspekte der Selbstorganisation, der Selbsthilfe und der gegenseitigen Unterstützung sowie des Voneinander-Lernens ermöglicht. Die Grundschule wurde bis vor kurzem von der Ausstattung mit Computern weitgehend ausgeschlossen, da der Einsatz des Computers im Grundschulunterricht äußerst kritisch bewertet wurde. Schwellenängste sind aus diesem Grund zwar noch vorhanden, aber eine Aufbruchstimmung zeichnet sich deutlich erkennbar ab. Um der hohen Zahl fortzubildender Lehrkräfte in einem möglichst kurzen Zeitraum gerecht zu werden, soll in Berlin für die Grundschule ein Fortbildungsnetzwerk initiiert werden. Zu der Idee des Netzwerkes gehört, daß in einem "Haus des Lernens" Kinder, Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen voneinander und miteinander lernen. Dazu soll zunächst in sechs Regionen der Stadt je eine Fortbildungsschule gegründet werden. Jede Fortbildungsschule wird zu einem regionalen Fortbildungszentrum, das zugleich ein regionales Forum für Erfahrungs- und Informationsaustausch ist. Alle regionalen Fortbildungsschulen Berlins bilden ein Forum für berlinweiten Erfahrungs- und Informationsaustausch, das Berliner Forum. Ziele des Fortbildungsnetzwerkes sind: • praxisorientierte, technische Basisqualifikation (siehe SEK I und II) • Qualifizierung von Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit Vorkenntnissen (siehe SEK I und II) • Qualifizierung von Moderatoren (siehe SEK I und II) • Erfahrungsaustausch unter den Beteiligten • Vorstellen von Produkten • gemeinsames Entwickeln von Lösungsideen zu regionalbedingten o. ä. Problemen • Kontakte zu außerschulischen Institutionen • Weitergabe von Informationen • gegenseitige Unterstützung • Präsentation und Dokumentation der Entwicklungen und/oder Produkte • Evaluation Organisation Kinder, Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen lernen in variablen Organisationsformen, z. B. in Mischgruppen von Eltern und Lehrkräften, Schülern, Eltern und Pädagogen, ..., bei Bedarf geschlechtsdifferenziert. Die Entwicklung des Netzwerkes erfolgt stufenweise: 1. Stufe: In der zukünftigen regionalen Fortbildungsschule erfolgen schulinterne Fortbildungsangebote für den genannten Personenkreis. 2. Stufe: Die regionale Fortbildungsschule bietet Fortbildung an für Teams anderer Grundschulen der jeweiligen Region. 3. Stufe: Alle regionalen Fortbildungsschulen bilden ein überregionales Netz. Die Auswahl der fortzubildenden Schulen erfolgt kriterienorientiert. In jedem Fall muß die Schule ihre Fortbildungsziele benennen können; zugelassen werden ausschließlich Teams. Die Weitergabe des Gelernten an das eigene Kollegium ist verpflichtend. 7.2 Fortbildung für die Sekundärbereiche I und II Ziele und Inhalte Die Lehrerfortbildung im Projekt "CidS!" ist - unabhängig vom Träger der jeweiligen Fortbildung - bedarfs-, prozeß- und nutzerorientiert durchzuführen. Dabei sind inhaltliche und methodische Vorgaben im Sinne der Schulentwicklung zu berücksichtigen, eine regelmäßige begleitende Auswertung aller Fortbildungsveranstaltungen zur Qualitätssicherung ist vorzunehmen. Zu diesem Zweck ist ein Kriterienkatalog über inhaltliche, allgemein- und medienpädagogische, sowie fachdidaktische Kriterien und deren Umsetzung in der jeweiligen Veranstaltung aufzustellen. Maßstab zur Bewertung aller Fortbildungsveranstaltungen muß sein, in welchem Maße sich Inhalt und Methodik der Fortbildung in der eigenen unterrichtlichen Tätigkeit oder in der Multiplikatorenfunktion niederschlägt. Grundlegend lassen sich diese Lehrerfortbildungsveranstaltungen sowohl nach dem Kenntnis- und Erfahrungsstand der Teilnehmer als auch nach den zu vermittelnden Inhalten unterscheiden. Hinsichtlich der Vorerfahrungen der Teilnehmer sind Fortbildungen in drei Anforderungsniveaus zu planen: • Praxisorientierte, technische Basisqualifikation für Teilnehmer ohne oder mit geringen Kenntnissen im Umgang mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik: Grundlagen der Computertechnik, Standardsoftware, Präsentation beispielhafter multimedialer Projektarbeit, erster Kontakt mit dem Berliner Bildungsserver, Vorstellung bildungsrelevanter Internetadressen, Systempflege, Telekommunikation, WWW, ... • Qualifizierung von Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit hinreichenden Vorkenntnissen im Umgang mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik: Einsatz des Computers im Fachunterricht und facherübergreifenden Unterricht, bei multimedialen Projekten und der Präsentation von Projektarbeit; Nutzungsmöglichkeiten des Berliner Bildungsservers, Vorstellung und Bewertung bildungsrelevanter Internetadressen, fachdidaktische Fragen, Binnendifferenzierung, Öffnung des Unterrichts, Veränderung der Lehrerrolle, medienpädagogische Fragestellung. • Qualifizierung von Moderatoren: Die Teilnehmer verfügen über umfassende technische und methodische Kenntnisse aus der eigenen unterrichtlichen Praxis. Neben technischen Spezialkenntnissen sind inhaltliche und didaktische Prägen der Lehrerfortbildung und Fragen der Schulentwicklung zu vermitteln. In allen drei Anforderungsniveaus sind, wenn auch jeweils mit unterschiedlicher Gewichtung, folgende Themen zu integrieren: • Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit Hard- und Software • Einzel-PC, Intranet und Internet • fachspezifische, fächerübergreifende und projektorientierte Anwendungen, projektbegleitende Probleme und Fragestellungen • allgemein mediendidaktische und medienpädagogische Fragen z. B. Verbindung zwischen den klassischen und Neuen Medien. 7.3 Lehrerausbildung Im Bereich der Lehrerausbildung ist festzustellen, daß inzwischen Informatik sowohl für die Lehrer- als auch für die Studienratslaufbahn als ordentliches Studienfach zugelassen ist. In allen übrigen Unterrichtsfächern werden verstärkt Bezüge zu luK-Techniken hergestellt, eine systematische Einbeziehung dieses Bereiches in die Prüfungsanforderungen sind noch nicht umgesetzt. Es werden allenfalls fakultative Lehrveranstaltungen zum Thema "Informationstechnische Grundbildung für Lehramtsstudenten" angeboten (WS 98/99 PU). Wir bitten, den Beschluß damit als erledigt anzusehen. Berlin, den 26. August 1998 |
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Letzte Änderung: am 07.02.2000 |
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